Keine sexuelle Verwahrlosung durch Pornographie im Internet

Am 28. Oktober haben Experten für Jugendschutz im Internet darüber diskutiert, ob die massenhaft für jedermann verfügbare Pornographie im Netz zur sexuellen Verwahrlosung von Jugendlichen führt.
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Am 28. Oktober haben Experten für Jugendschutz im Internet – darunter der KJM-Präsident Wolf-Dieter Ring, Rechtsanwalt Marko Dörre und der Sexualforscher Kurt Stake – darüber diskutiert, ob die massenhaft für jedermann verfügbare Pornographie im Netz zur sexuellen Verwahrlosung von Jugendlichen führt. KJM-Stabschefin Verena Weigand wies darauf hin, dass Pornographie insgesamt härter geworden sei und längst nicht mehr nur Blümchensex darstelle, sondern zunehmend Praktiken wie Fäkalsex und Gewalt vorkämen. Sie hätten sich das Ausmaß der Pornographie im Netz (inzwischen wird geschätzt, dass es um die 420 Millionen Websites mit Pornoangeboten gibt) nicht vorstellen können, “als uns 2003 die Aufgabe ereilte, das Internet mit zu beaufsichtigen”, sagte Weigand.
Der Sexualforscher Kurt Stake sieht jedoch keinen Anlass zu Panik. Zum Ausdruck “sexuelle Verwahrlosung”, der in letzter Zeit immer wieder in diversen Medien kursierte und nahe legen sollte, dass die gerade heranwachsende Jugend keinen Bezug mehr zu Liebe habe, sagte Stake, er sei ein “reines Medienphänomen” und “Sensationsmache”. Es sei zwar tatsächlich so, dass junge Männer rund viermal so viel Pornographie konsumieren wie junge Frauen. Dennoch seien die Jugendlichen keineswegs “sexuell verwahrlost”. Ihnen falle zum Thema Sexualität immer noch in den meisten Fällen als Erstes “Liebe” ein. Auch sei das Alter des ersten sexuellen Kontakts über die letzten 20 Jahre konstant geblieben. Die meisten Jugendlichen würden überdies die ersten sexuellen Erfahrungen zu Hause machen mit einem Partner, der den Eltern bekannt sei. Zudem seien keine Hinweise bekannt, wonach Jugendliche häufiger den Partner wechseln würden.
Rechtsanwalt Marko Dörre wies auf die Sinnlosigkeit des durch die KJM geführten Kampfes gegen Pornographie im Internet hin. Er warf sogar die Frage auf, ob die KJM durch ihren zwar ehrenwerten, aber doch nur symbolischen Feldzug nicht eventuell ein falsches gesellschaftliches Signal sendet. Marko Dörre wörtlich: “Geben Sie den Eltern damit nicht das Signal, das Internet wird irgendwann sauber sein und sie können ihre Kinder nachmittags einfach davor setzen?” Bei geschätzten 420 Millionen Pornoseiten im Netz und ca. 1.000 von der KJM geführten Verfahren in sechs Jahren könne man sich ausrechnen, wie lange es dauern würde, das Netz pornofrei zu kriegen. Marko Dörre bezweifelt ohnehin stark, dass dies überhaupt möglich sei, und will die Eltern stärker in die Verantwortung nehmen.
Quelle: heise.de
Tags: Jugendschutz, KJM, Marko Dörre, Medientage, Wolf-Dieter Ring
nago862
Sexuelle Verwahrlosung trifft wohl auf wenige zu, aber wenn diese wenigen mit Hilfe der Medien Dampf machen, bricht gleich eine landesweite Diskussion aus und alle glauben, die Welt ist schlecht und die Jugend bedroht. Marko Dörre hat auch Recht, der Feldzug der KJM ist eher symbolisch und deshalb sind die Eltern gefordert, die Kinder im Blick zu haben und darauf zu schauen, wo sie im Netz unterwegs sind. Aber dass die Eltern auf ihre Kinder schaun sollen, ist ja wirklich nichts neues. Das Problem ist halt, dass viele Elternteile keine Ahnung vom Internet haben.
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