Das Ende einer Branche?

Das langsame Sterben der Porno-Kinos

Oktober 30th, 2009
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Es gab eine Zeit, da musste man, um Pornos zu konsumieren, in die Videothek oder ins Porno-Kino gehen.

Es gab eine Zeit, da musste man, um Pornos zu konsumieren, in die Videothek oder ins Porno-Kino gehen.

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Es gab eine Zeit, da musste man, um Pornos zu konsumieren, in die Videothek oder ins Porno-Kino gehen. Das Internet existierte nur als wissenschaftliches Projekt, weit davon entfernt, für nahezu alle Menschen der westlichen Hemisphäre zugänglich zu sein. Als normaler Bürger ahnte man noch nicht einmal etwas von seiner Existenz, geschweige denn davon, dass es in weniger als zwei Jahrzehnten unsere Kommunikation revolutionieren würde. Auch die Betreiber von Porno-Kinos ahnten nichts davon. Heute müssen sie mitansehen, wie sie nach und nach ihre Kunden verlieren, zum größten Teil wegen des Internet.

Ulrich Toenne aus Iserlohn ist einer von ihnen. Vor zehn Jahren kaufte er ein Porno-Kino, seit zwei Jahren will er es wieder loswerden. Ohne Erfolg. Niemand will das Porno-Kino haben. Heute bezahlen Kunden in seiner Iserlohner Erotikworld zehn Euro Eintritt und können dafür den ganzen Tag bleiben. Für 15 Euro können sie weibliche Begleitung mitbringen und ins Pärchen-Kino gehen. Ulrich Toenne zieht ein frustrierendes Resümee: “Das ist doch viel billiger als ein Hotelzimmer – wird aber trotzdem nicht gut angenommen.”

Auf allen möglichen Wegen hat Ulrich Toenne das Porno-Kino zum Verkauf angeboten: Er hat in Fachzeitschriften, in der regionalen Presse und sogar in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung inseriert. Der Preis sei Verhandlungssache. Gemeldet hat sich nicht ein Interessent. Ulrich Toenne sagt dazu: “Vor zehn Jahren hätte ich den Laden mit Riesengewinn verkloppen können, die Zeiten sind leider vorbei. Wir gehen alle über die Wupper, weil die Kerle Pornos nur noch vorm Computer gucken.”

Der Geschäftsführer des Bundesverband Erotik-Handel, Uwe Kaltenberg, drückt es etwas subtiler aus: “Es gibt in Deutschland etwa 1200 Sex-Shops. Früher verdienten die Geschäfte 50 Prozent ihres Umsatzes mit Pornos, Videos und Magazinen, der Markt ist aber massiv eingebrochen. Deshalb konzentrieren sich nur noch sehr wenige Betriebe ausschließlich auf Kinos und Kabinen. Die, die es tun, werden immer weniger.” Die noch verbliebenen Porno-Kinos versuchen dem Trend durch eine Neuausrichtigund zu entkommen. “Früher konzentrierte sich alles auf ältere Männer, deshalb ging es in den Porno-Kinos spätestens nach zehn Sekunden ans Eingemachte. Aber diese Männer sterben langsam aus. Die neue Zielgruppe, das sind Frauen und Pärchen”, erklärt Uwe Kaltenberg.

Auch bei Beate Uhse hat man die Zeichen der Zeit erkannt. Das deutschlandweit wohl bekannteste Erotikunternehmen hat keinen einziges innerstädtisches Geschäft mit Videokabinen mehr. Nur an Autobahnraststätten und in Industriegebieten gibt es die noch. Dort gibt es nämlich auch noch die Kundschaft: Trucker und Autofahrer, die kein Internet zur Verfügung haben – noch nicht. Die Sprecherin von Beate Uhse, Assia Tschernookoff, erklärt: “In den Einkaufsstraßen setzen wir statt dessen auf Premium-Shops mit hochwertigen Artikeln, die insbesondere auch Frauen anlocken. Es ist eigentlich ganz einfach: Wer die Frauen hat, hat auch die Männer.”

Guido Geihsen teilt diese Sichtweise. Er betreibt seinen Erotikshop nur unweit von Ulrich Toennes Porno-Kino. Der ist hell erleuchtet, mit ebenso hellen Schaufenstern. Und im Hintergrund läuft ein bekannter Radiosender. Guido Geihsen setzt voll auf erotisches Spielzeug, wie es von immer mehr Männern, Frauen und auch Paaren gekauft wird. Über seinen Mitbewerber sagt er: “Ich hätte da drüben Schwierigkeiten, den Türgriff anzupacken.” Und damit ist er wohl nicht allein. Als es noch kein Internet gab, war man gezwungen, Türgriffe dieser Art anzupacken. Überwindung gekostet hat es wahrscheinlich auch damals. Heute ist diese Überwindung nicht mehr nötig. Aber nicht nur die Verfügbarkeit von Pornographie durch das Internet hat sich geändert. Auch in den Köpfen der Menschen ist so manches anders geworden.

“Hier ist alles hell und frauenfreundlich. 80 Prozent meiner Produkte sind für Frauen bestimmt – und mehr als 50 Prozent meiner Kundschaft sind Frauen”, erklärt Guido Geihsen sein Geschäftsmodell. Er betreibt nicht nur diesen einen Shop, sondern hat noch zwei weitere: Einen in Unna und einen in Soest. Guido Geihsen will sich damit allerdings nicht zufrieden geben. Er plant Dildo-Partys. Er sagt dazu: “Dabei können Freundinnen ein Glas Sekt trinken und unser geschultes Erotik-Fachpersonal zeigt und erklärt den Damen Dildos, Vibratoren und Dessous in gemütlicher Atmosphäre.” Was vor zwanzig Jahren noch undenkbar gewesen wäre und jeder braven Hausfrau die Schamesröte ins Gesicht getrieben hätte, wird heute zunehmend salonfähig. Früher kaufte und verkaufte man auf solchen Partys nur Plastibehältnisse für die Küche. Die Zeiten ändern sich.

Ulrich Toenne allerdings zweifelt daran, ob man nur vom Verkauf von erotischem Spielzeug leben kann. “Früher gingen schon mal 20 Dildos am Tag über den Tresen, das ist aber 30 Jahre her. Heute schätze ich mich glücklich, wenn ich zwei am Tag verkaufe”, sagt er. Er sieht keine Zukunft für die Branche mehr. Aber er gibt nicht auf. Er wird weiterhin seinen Job machen – bis er einen Käufer für sein Porno-Kino gefunden hat. Auch wenn das noch lange Zeit dauern kann.

Quelle: derwesten.de

[ak]

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04.02.2012
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